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Echte Grabinschriften

 

Beruf

 

Hier ruht Esser / Die Würmer, diese Fresser / speisen anderwärts besser.

(Auf einen mageren Kapellmeister)

   

Hier ruht der liebe Arzt, Herr Frumm. / Und die er heilte rings herum. 

 

Hier liegt / Martin Krug / der / Kinder, Weib / und Orgel / schlug  

(Auf einen Lehrer) 

 

Hier ruht der Schornsteinkehrer Klaus Schwarz / Er kehrt nie wieder.

 

 

Hier schweigt er endlich ungebeten. / Hebt ja den Stein nicht auf, / sonst fängt er an zu reden. 

(Auf einen Politiker) 

 

Verunglückt ist auf solche Art / Der Holzer Sepp hier ohne Bart, / A Stoanschlag

bracht ihn um sein Leben / Jetzt tuts koan Holzer Sepp mehr geben. 

 

Hier liegt Hortensius / ein alt Parnassus Kind / Er wolte Führer seyn / und war doch selber blind / Wer auff den Grabestein wird seine Nottdurfft legen / Dem wird die dürre Faust die bloßen Baken fegen.  

(Auf einen Lehrer)

 

Ehe

 

Hier ruht die Asche von James Robinson und seiner Frau / Ihr dreißigjähriger Krieg ist beendet. 

 

Leb' wohl mein lieber Ehemann, / Das Band der Ehe ist zerbrochen, / Ich hab dir meine Weibestreu / Nur so lang ich leb' versprochen. 

 

Hier ruht in Gott / Adam Lentsch / 26 Jahre lebte er als Mensch / u. 37 Jahr als Ehemann.

 

Tränen können sie nicht mehr lebendig machen; / darum weine ich.  

(Ein Ehemann auf seine Frau)

 

Frauen

Ihr half kein Arzt, / ihr half kein Tee; / drum ging sie in die Himmelshöh'.


Hier schläft zu keines Menschen Leid / Eine reichlich angejahrte Maid /

Die von der Wiege bis zu diesem letzten Hause /  

Schwätzte und zankte ohne Atempause

 


Hier liegt der alte Abendthau. / Er starb an einer jungen Frau!

Mein Weib deckt dieser Grabstein zu, / Für ihre - und für meine Ruh.

Hier liegt mein Weib, / Gott sei's gedankt, / Bis in das Grab hat sie gezankt. /

Lauf, lieber Leser, schnell von hier, / Sonst steht sie auf und rauft mit dir.

 

 

 

Es liegt begraben / die ehrsame / Jungfrau / Nothburg Nindl / gestorben ist

sie im / siebzehnten Jahr / just als sie zu brauchen / war.


Hier schweigt / Johanna / Vogelsang / sie zwitscherte / ihr Leben lang

Ein alte Zäuberin / die reiten kont und grabbeln / Auff bock und besemstiel /
melchschämel und Mistgabeln / Hin nach des Teufels Tantz / fiel endlich aus der Lufft / Brach Halß und Bein entzwey und schläfft in dieser Krufft. (Auf eine Zauberin)

   

Kirche

 

Den Pfarrer Sedulim / verschließet dieses Grab. / Gott, gib den Schlummer ihm, / Den er den Hörern gab.  

 

Er starb zum größten Leidwesen / seiner Gemeinde eines seliges Todes. (Inschrift auf einen Pfarrer)  

 

Hier liegt die / Jungfer Rosalind, / geboren als / ungewünschtes Kind. / Ihr unbekannter Vater / war Kapuziner-Pater  

   

Krankheit

 

Neun Worte und nicht mehr / soll dieser Grabstein haben: / "Hier unter diesem Stein / liegt Durst und Gicht begraben."  

   

Männer

 

Scherzweis hüpfte dieser Greise / Allhier auf dem Eise, / Als der See einbrach,

da war / Es mit seinem Leben gar.

 

 

Hier rauht min lewe gode Mann, / He hett sin Lew' nix anners dahn.

(Auf einen Faulen) 

 

Hier ruht Hans Kasper, Grobian, / Ein Klotz, wie's keinen geben kann! / Läg er nicht ohne Hut im Grab, / Er zög ihn selbst vor Gott nicht ab! 

 

Es liegt Hans Kalb, der junge, hier / Ohn' Ochs zu werden oder Stier. / Er starb als Kalb in der Jahre Lenz / Infolge zu großer Korpulenz. / Der in der Gruft / erst Nutzen bringt / Er düngt! 

 

Hier ruht er, wenn der Wind nicht weht.  

(G.E. Lessing, Auf einen Gehenkten) 

 

Hier liegt Johannes Weindl, / er lebte wie ein Schweindl, / gesoffen hat er wie eine Kuh, / der Herr geb im / die ewige Ruh. 

 

Christ steh still und bet a bissl / hier liegt der Bauer Jakob Nissl / zu schwer mußte er büßen hier / Er starb an selbstgebrautem Bier.

 

Hier liegt in süßer Ruh, / erdrückt von seiner Kuh, / Frank Helmut Majer 

 

Hier ruht Josef-Maria Satt, / der sich zu Tod gesoffen hat, / Herr gib ihm die ewige Ruh / und ein Glas Schnaps dazu

 

Hier fiel der Jacob Finkenscheid / vom Hausdach in die Ewigkeit.

 

Skurriles  

 

Vorne: O frommer Christ, tu' mein Gedenken / Und mir ein paar Vaterunser schenken. Hinten: Setz auf den Hut und nimm den Stecken, / Jetzt kannst du mich am Buckel lecken.  

 

Die Ostsee war mein kühles Bette; / Um Mittag war mein Ende nah! / Vergebens rief ich: rette, rette! / - Obgleich man mich ertrinken sah. / Drum schlief ich denn ganz ohne Pein / So nach und nach im Wasser ein.  

   

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Hier ruht die Asche von Martha Douez, / Frau des gleichnamigen Schmiedemeisters. / Das Eisengitter um das Grab / ist Handarbeit aus der Werkstatt ihres Mannes  

 

 

 

* Quellen: 

Hier liegen meine Gebeine, ich wollt' es wären Deine. Grabinschriften für alle Fälle, ges. von Enno Hansing, Bremen 1996

Poetische Grabinschriften , mit zehn Radierungen von Christoph Meckel, hrsg. von Wulf Segebrecht, Frankfurt am Main 1987





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